Schulden: Die ersten 5.000 Jahre

Autor: David Gräber

Bestseller (2012)

david-graber1Professor an der „London School of Economics and Political Science“. Autor mehrer Sachbücher und bekennender Aktivist und Anarchist. Kritisiert sowohl die neo-darwinistische Sichtweise, als auch die sozial-ökonomischen Strukturen unserer Gesellschaft. Ist einer der bekanntesten Denker unserer Zeit.


david-graber-schuldenIn seinem Buch „Schulden: Die ersten 5.000 Jahre“, erschienen im Jahr 2011 (auf engl.), nimmt der Ethnologe Gräber die Fundamente unserer Gesellschaft, nämlich den Staat, das Geld und den Markt genau unter die wissenschaftliche Lupe.

Gräbers Buch kann als eine historische und kulturanthropologische Perspektive auf den Begriff der Schuld angesehen werden. Der Professor für Ethnologie zieht eine Parallele zwischen den religiösen Vorstellungen von „Schuld“ (Schulden im moralischen Sinne) in den verschiedenen Gesellschaften und der aktuellen Schuldenkrise (Schulden im ökonomischen Sinne). Die Fragen die er beantwortet lautet: Was sind Schulden? Müssen Schulden immer zurückgezahlt werden und selbst wenn, in welcher Form?

Zunächst geht er mit einer scharfen Logik auf die Frage ein wie es passieren konnte, dass man die Moral in eine bestimmte Geldsumme packen wollte? Diesen Transformationsprozess beschreibt er anhand der menschlichen Geschichte, mit detailierten Einzelfällen und Beispielen aus der Anthropologie. Sein Kritikpunkt: „Das Geld hat die Fähigkeit, Moral in eine Sache und unpersönliche Arithmetik zu verwandeln (S. 23), während früher Währungen dazu dienten um zwischenmenschliche (soziale) Beziehungen zu schlichten (S.78f). Einfacher ausgedrückt: „Der Anspruch ist lächerlich, dass wir menschliches Verhalten in der Wirtschaft auf eine mathematische Formel reduzieren wollen (S.146).

Über den Staat äußert er sich folgendermaßen kritisch: „Der Staat war im Grunde ein Vertrag, eine Art Geschäftsvereinbarung, durch die seine Bürger einige ihrer natürlichen Freiheiten dem Herrscher übertrugen. Ähnliche Ideen entwickelten sich schließlich auch zur Grundlage der bedeutendsten und mächtigsten Institutionen unseres Wirtschaftslebens: der Lohnarbeit, bei der wir unsere Freiheit im Grunde auf dieselbe Weise vermieten, wie sie bei der Sklaverei verkauft wird. Lohnarbeit wurzelt also in der Sklaverei“ (S.262). „Ein Bewohner des antiken Griechenlands hätte zweifelos erkannt, dass der Unterschied zwischen einem Sklaven und einem Lohnarbeiter bestenfalls in einer legalistischen Freiheit besteht“ (S.268).

Über die Beziehung zwischen Staat und Markt argumentiert er folgendermaßen: „Die Existenz von Märkten kam den Herrschern sehr gelegen, weil es ihnen wesentlich erleichterte, große stehende Heere zu versorgen. Indem die Regierungen durchsetzten, dass nur ihre eigenen Münzen bei der Bezahlung von Gebühren, Strafen oder Steuern akzeptiert wurden, konnten sie die zahlreichen sozialen Währungen zurückdrängen. (…) So entwickelten sich nationale Märkte“ (S.287).

Die Pointe aus dieser Analyse beschreibt am besten der britische Soziologe mit seinem Begriff „Militärischen Münzgeld- und Sklaverei-Komplex“. Das Staatssystem unter Alexander den Großen, hielt seine Macht aufrecht, in dem es die Soldaten mit Gold und Silber bezahlte, welches durch erbeutete Minen und unterworfene Sklaven abgebaut wurde. So wuchs sowohl die Wirtschaft, als auch die Märkte, welche rund um die Soldaten enstanden waren (u.a. Wirtshäuser, Prostitution, Luxusgüter) – darüber hinaus wuchs auch die Expansionsmacht des Herrschers (S.290ff). Es war eine teuflische Machtspirale und diese Markt- und Staatslogik hat sich bis heute in ihrem Fundament nie verändert!

Sowohl über das amerikanische Dollarsystem, als auch über das Bankensystem der FED schreibt Gräber ausführlich. Von der Politik, über die Wirtschaft bis hin zur Psychologie und Anthropologie bringt er die menschliche Geschichte auf des Pudels Kern. Mit einem spannenden und leicht lesbaren Stil bringt er wissenschaftliche Analysen an das Tageslicht.

 

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